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Venus im Pelz
 
 

Venus im Pelz

Autor Leopold von Sacher-Masoch

Artikel-Nr.: 90069

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Produktinformationen "Venus im Pelz"

- Das Hörbuch wurde vom Bayerischen Rundfunk ausgezeichnet als Hörbuch der Woche!!! -

Die klassische SM-Story – Namensgeber des Masochismus

Auch wenn hier der Mann malträtiert wird, ein Shades of Grey reicht nicht annähernd an den Klassiker Venus im Pelz heran.

Text-Auszug: 

Kann ich mein edles, sonniges, eine Frau, welche mir treu und gütig mein Schicksal teilt, nicht finden, nun dann nur nichts Halbes oder Laues! Dann will ich lieber einem Weibe ohne Tugend, ohne Treue, ohne Erbarmen hingegeben sein. Ein solches Weib in seiner selbstsüchtigen Größe ist auch ein Ideal. Kann ich nicht das Glück der Liebe voll und ganz genießen, dann will ich ihre Schmerzen, ihre Qualen auskosten bis zur Neige; dann will ich von dem Weibe, das ich liebe, mißhandelt, verraten werden, und je grausamer, um so besser. Auch das ist ein Genuß!«

»Sind Sie bei Sinnen!« rief Wanda.

»Ich liebe Sie so mit ganzer Seele«, fuhr ich fort, »so mit allen meinen Sinnen, daß Ihre Nähe, Ihre Atmosphäre mir unentbehrlich ist, wenn ich noch weiterleben soll. Wählen Sie also zwischen meinen Idealen. Machen Sie aus mir, was Sie wollen, Ihren Gatten oder Ihren Sklaven.«

»Gut denn«, sprach Wanda, die kleinen aber energisch geschwungenen Brauen zusammenziehend, »ich denke mir das sehr amüsant, einen Mann, der mich interessiert, der mich liebt, so ganz in meiner Hand zu haben; es wird mir mindestens nicht an Zeitvertreib fehlen.

Sie waren so unvorsichtig, mir die Wahl zu lassen. Ich wähle also, ich will, daß Sie mein Sklave sind, ich werde mein Spielzeug aus Ihnen machen!«

 

»Oh! tun Sie das«, rief ich halb schauernd, halb entzückt, »wenn eine Ehe nur auf Gleichheit, auf Übereinstimmung gegründet sein kann, so entstehen dagegen die größten Leidenschaften durch Gegensätze. Wir sind solche Gegensätze, die sich beinahe feindlich gegenüberstehen, daher diese Liebe bei mir, die zum Teil Haß, zum Teil Furcht ist. In einem solchen Verhältnisse aber kann nur eines Hammer, das andere Amboß sein. Ich will Amboß sein. Ich kann nicht glücklich sein, wenn ich auf die Geliebte herabsehe. Ich will ein Weib anbeten können, und das kann ich nur dann, wenn es grausam gegen mich ist.«

 

Severin, ein adeliger Müßiggänger, wirbt erfolglos um Wanda, fordert aber ihre dunkle Seite heraus. Sie verkörpert nun die Rolle der grausamen Venus im Pelz und nimmt ihn als Sklaven mit nach Florenz. Die Stationen seines Lust- und Leidensweges gehören bis heute zu den Standards dieser Empfindungskultur. 

Sacher-Mascoch: Ein geborener Verführer

"Eigentümlich und fremdartig sah er aus. Von schlanker, eleganter Gestalt, stets sorgfältig gekleidet, in Haltung und Betragen die feinste Erziehung verratend, überraschte er durch den raubtierartigen Ausdruck seines Gesichts, das stets glatt rasiert war und nicht das kleinste Härchen zeigte. Wenn er lächelte und die großen weißen Zähne wies, glich er einem jungen Wolf. Der Mann war entschieden häßlich, aber von jener interessanten Häßlichkeit, die Frauen bezaubern kann. Das gelang ihm auch mit leichter Mühe. Die Frauen fanden ihn bei der ersten Begegnung abscheulich und endeten damit, daß sie sich in ihn verliebten. Von allen Schriftstellern, mit denen ich in den sechziger Jahren verkehrte, hatte er das meiste Glück bei den Frauen." So beurteilt der Schriftsteller Karl von Thaler in seinem Nachruf den Kollegen Leopold von Sacher-Masoch, der nicht nur der geborene Frauenverführer gewesen sein soll, sondern auch im Umgang mit Männern über beachtliche gesellschaftliche Talente verfügte. Ein persönlicher Auftritt gewann ihm die Gunst des allseits gefürchteten Literaturpapstes Kürnberger. Dieser hatte die vorausgehenden Schreibereien des Autors nicht allzu hoch eingeschätzt, fand jedoch in den spontanen Erzählungen des jungen Galiziers genau jenes Element, das der zeitgenössischen deutschen Literatur entschieden abging. Als der junge Autor mit dem Don Juan von Kolo - mea auch ein schriftliches Zeugnis seiner sinnlichen Erzählkunst vorlegen konnte, erklärte sich der Kritiker gern zu einem Vorwort bereit. Weniger aus Gefälligkeit gegenüber einem netten jungen Mann, sondern aus künstlerischen Gründen: soviel Realität wie das literarische Ausnahmetalent aus dem äußersten Osten der Österreichischen Monarchie bot keiner der landläufigen Salonliteraten, die ihre Anregungen eher aus anderen Büchern als aus der Wirklichkeit bezogen. Die veröffentlichte Meinung folgte: "Welche Zeitung der junge Sacher-Masoch auch zur Hand nehmen wollte, er las darin sein Lob. In seinen Erzählungen lag auch sein seltsamer Reiz, dem man sich gern gefangen gab....Der starke sinnliche Duft, den sie ausströmten, wirkte berauschend auf die Nerven..." so fährt Thalers Nekrolog fort, bevor das große Aber einsetzt. Einwände gegen die weitere künstlerische Entwicklung des begabten Erzählers gab es schon 20 Jahre vorher. Als die Erzählung Don Juan von Kolomea im seinerzeit sehr populären Deutschen Novellenschatz erscheint - auch Gottfried Keller, Theodor Storm oder C.F. Meyer waren beglückt über die Aufnahme ihrer Werke in die lukrative Reihe-, lobt Herausgeber Paul Heyse das Talent des vielversprechenden Autors. Der spätere Literaturnobelpreisträger kann aber die Richtung nicht billigen, die Sacher-Masochs Kunst nach seinen ersten Erfolgen eingeschlagen hat. "In einer Reihe von Bänden Russischer Hofgeschichten wie auch in dem ersten Die Liebe betitelten Teil seines Werkes "Das Vermächtnis Kains" wird unermüdlich das Thema variiert, daß keine männliche Kraft dem Sinnenzauber widersteht, jede Manneswürde und Mannesehre der Verführung eines üppigen Weibes erliegen muß und daß Grausamkeit und Wollust blutsverwandt sind. Diese Richtung einer krankhaften Sinnlichkeit,... hat Sacher-Masoch den Beifall der Franzosen eingetragen." Die seinerzeit vielgerühmten Schilderungen aus der bislang unbekannten Welt Galiziens, wird der Leser in Venus im Pelz in der Tat vergeblich suchen, das literarische Neuland besteht in der Aufzeichnung einer Gefühlskultur, die bis heute mit seinem Namen verbunden ist, obwohl mehr als 100 Jahre später so manche Erscheinung mit dem Begriff Masochismus in Verbindung gebracht wird, für die es keine Belege in seinem Werk gibt. Die Erzählung Venus im Pelz gehört zum von Heyse abschlägig beurteilten ersten Teil eines auf 6 Bände angelegten Zyklus von Erzählungen, der alle Bereiche des Lebens umfassen und vielfach die gültigen Normen in Frage stellen und eine Umwertung der Werte in Gang setzen sollte: 1. Die Liebe der Geschlechter 2. Das Eigentum 3. Der Staat 4. Der Krieg 5. Die Arbeit 6.

Der Tod Die Formel von der Umwertung ist durch Friedrich Nietzsche besetzt, aber als Leopold von Sacher-Masoch 1869 die Konzeption für das Vermächtnis Kains entwirft, da werkelt dieser noch an seiner Geburt der Tragödie aus dem Geist der Musik, eher eine Rechtfertigungsschrift für die Ästhetik Richard Wagners als die Arbeit an neuen Werten. Der zweite Band zu dem Vermächtnis Kains erscheint, als Nietzsche seine zweite Unzeitgemäße Betrachtung abschließt: Vom Nutzen und Nachteil der Historie für das Leben. Als Nietzsche 1878 mit Menschliches, Allzumenschli - ches seine neue Art der Philosophie einleitet, da sucht Leopold von Sacher-Masoch verzweifelt nach Geldgebern für die Fortführung seines Großprojekts und schreibt sich gleichzeitig um seinen guten Ruf, nur um am Leben zu bleiben. Ein weiterer Band des ambitionierten Zyklus erscheint nicht mehr. Die Ursachen für den Abbruch liegen nicht im inhaltlichen Bereich oder in einem Wechsel von Überzeugungen; der von den Wechselfällen des Schicksals stark betroffene Autor hat bis zuletzt an seiner Konzeption festgehalten und daran gearbeitet. Aber auch fünfundzwanzig Jahre nach Veröffentlichung von Venus im Pelz war der Ritter von Sacher-Masoch ein Autor mit einem gründlich ruinierten Ruf. Nicht wegen einer anstößigen Erzählung, sondern wegen seines Versuchs, die Phantasie wahr werden zu lassen.

Keine Prätentionen – Vorspiel im Traum

Eine erotische Novelle als Teil eine anspruchsvollen Unternehmens zur Umwertung aller Werte, das klingt zunächst ein wenig prätentiös. Aber am Anfang der Erzählung steht die kritische Auseinandersetzung mit der christlich geprägten abendländischen Kultur. Der Autor der Venus fährt bei seiner Kritik nicht schweres Geschütz oder gewichtige Thesen auf, sondern führt seine umstrittenen Themen und Thesen in einer eroti - schen Tändelei von träumerischer Leichtigkeit ein, in der die erotische Faszination der Grausamkeit und eine Kritik an der sinnenfeindlichen christlich geprägten Zivilisation auf engste miteinander verknüpft sind. In dem dichten Geflecht aus Zitaten, Referenzen und Anspielungen präsentiert sich die Venus nicht nur von ihrer sinnlichen Seite, sie verführt zugleich durch eine unwiderstehliche Argumentation, in der sie klassisches abendländisches Bildungsgut gegen die christlich geprägte Doppelmoral ausspielt. "...und hat einer einmal den Mut gehabt meinen roten Mund zu küssen, so pilgert er dafür barfuß im Büßerhemd nach Rom und erwartet dafür Blüten vom dürren Stock.." Die Auflösung des Spiels zwischen einer Venus, die alle Argumente auf ihrer Seite hat, erfolgt in einer für jeden nachvollziehbaren Weise. Mitten im Satz verwandelt sich die lachende Göttin in einen Kosaken, der seinen Herrn weckt und mit ihm schimpft, weil der über seiner Hegellektüre eingeschlafen ist.

Ein abartiger Bildungsroman?

Ein derart virtuoser spielerischer Umgang mit allem, was den Gebildeten als hoch und heilig gilt, ist eher untypisch für die renommierte Gattung, in die sich Venus im Pelz einreiht.

Als der etwas ratlose und über sich selbst verwunderte Erzähler bei seinem erfahrenen Freund Severin Rat sucht, gibt ihm dieser einen Bildungsroman anstelle der erwünschten Traumdeutung. Deutlich dünner als Wilhelm Meister und seine Epigonen, auch sonst weichen die Bekenntnisse eines Übersinnlichen stark vom bekannten Schema ab, das die deutschen Dichter seit Wieland und Goethe variieren, dafür erreicht der Held das Lernziel umso gründlicher. Für Lieblingsspielzeuge, Jugendfreunde, erste Lieben und allerlei andere genretypische Anekdötchen und Erfahrungen bleibt kein Raum, alle frühen Bildungserlebnisse sind um eine zentrale Erfahrung aus jungen Jahren gruppiert: die als lustvoll empfundene Züchtigung des allzu keuschen und allzu stolzen Jünglings durch eine Tante und ein vorher verschmähtes Dienstmädchen. Auch die anderen üblichen Irrungen und Wirrungen des Erwachsenwerdens sind nicht der Rede wert. Am Beginn seiner Aufzeichnungen befindet sich der adelige Müßiggänger Severin in einer Art Sackgasse. Mangel an Talent ist nicht sein Problem, aber der vielfältig Begabte kann keine seiner Begabungen zur vollen Entfaltung bringen. "...also bin ich nichts weiter als ein Dilettant, ein Dilettant in der Malerei, in der Poesie, der Musik...und vor allem bin ich ein Dilettant im Leben." Als der Dilettant in vielen Künsten seinen Absolutheitsanspruch auf einen Bereich ausdehnt, in dem derartige Ansprüche äußerst selten die volle Entsprechung finden, erleidet er eine vollständige Niederlage und wechselt von einem Extrem in das andere: "Ich habe zwei Frauenideale. Kann ich mein edles, sonniges, eine Frau, welche mir treu und gütig mein Schicksal teilt, nicht finden, nun dann nichts Halbes oder Laues. Dann will ich lieber einem Weibe ohne Tugend, ohne Treue , ohne Erbarmen hingegeben sein. Ein solches Weib in seiner selbstsüchtigen Größe ist auch ein Ideal. Kann ich das Glück der Liebe nicht voll und ganz genießen, dann will ich ihre Schmerzen, ihre Qualen auskosten bis zur Neige; dann will ich von dem Weibe, das ich liebe, mißhandelt, verraten werden, und je grausamer, um so besser. Auch das ist ein Genuß!" Diese Selbstbeschreibung gibt Severin am Ende seiner erfolglosen Werbung um die Hand von Wanda von Dunajew. Die junge Witwe räumt ihm zwar während des Aufenthalts in einem Badeort alle Rechte des Liebhabers ein, erteilt aber seinem Versuch dem Glück mittels Eheschließung Dauer zu verleihen, eine entschiedene Absage. In seinem Streben nach Konsequenz fordert der adelige Müßiggänger die dunkle Seite der Schönen heraus. Die derart Umworbene nimmt die Herausforderung an und schlüpft in die Rolle der grausamen Venus im Pelz. Als ihr Diener begleitet er sie nach Florenz, dort macht sie ihn vollends zum Sklaven und läßt keine für ihn denkbare Demütigung aus. Beachtenswerterweise erfüllt das Endergebnis dieser "Erziehung der Gefühle" die Erwartungen an einen Bildungsroman. Der Held ist gereift; bereit zur Übernahme von Verantwortung und zur Einnahme einer gesellschaftlich relevanten Position. Die Art und Weise, in der die "Erziehung" zustande kommt, widerspricht aber den Konventionen der Gattung wie der Gesellschaft.

Stil und Bezüge

Die Stationen von Severins Lust- und Leidenswegs gehören bis heute zu den Standards dieser Empfindungskultur. Viele Pionierleistungen leiden nun darunter, daß sich die Technik weiterentwickelt hat. Mag sich die eine oder andere alte Aktphotographie auch durch einen besonderen Charme auszeichnen, auf den heutigen Betrachter wird sie nicht dieselbe anregende Wirkung haben wie auf die Zeitgenossen der abgelichteten Schönheit. Auch in der Literatur haben sich die Darstellungsweisen verändert: genügte früher schon ein Reizwort, um das Blut der Leser in Wallung zu versetzen, so sind die "Ansprüche" inzwischen gestiegen. Venus im Pelz bleibt trotzdem vom Gilb verschont, denn Severins Erfahrung ist so geschildert und gestaltet, daß sie nicht veraltet, aus gutem Grund: Als Sohn des Polizeichefs von Galizien verstand sich Sacher-Masoch auf den Umgang mit Zensurbestimmungen und hat eine Kunst der Darstellung entwickelt, die in Dialog mit der Phantasie des Lesers tritt.

Weshalb heißt der Masochismus Masochismus?

Leopold von Sacher-Masoch ist nicht der erste Autor, der psychische und physische Abhängigkeit eines Mannes gegenüber einer F rau samt den damit verbundenen Erniedrigungen beschreibt. Beispiele von sexueller Hörigkeit finden schon im Alten Testament (Samson und Delila) oder in der Lieblingslektüre des jungen Leopold, den Confessions eines Rousseau. Auch Novalis, Kleist, Heyne, Byron, Baudelaire, Zola (Nana) oder Goethe (Werther) haben ihren Beitrag zum Thema geleistet, aber allesamt nicht derart extrem. Die Häufung der Kombination von Pelz und Peitsche ist aber nicht ausschließlich eine zwangsläufige Folge der einseitigen Fixierung des Autors, sondern eine Reaktion auf die Gesetze des Marktes. Sacher-Masoch erhielt fertige Manuskripte mit dem Hinweis zurück, daß die typischen Szenen mit Pelz und Peitsche fehlen würden. Den Begriff Masochismus gibt es seit 1886, mit dem Erscheinen der Psychopathia Sexualis des Wiener Psychiaters und Gerichtsmediziners Freiherr von Krafft- Ebbing. Der hatte in den Werken Sacher-Masochs eine wissenschaftlich noch gar nicht kategorisierte Perversion entdeckt und sie mit dem Namen des prominentesten Kranken versehen. Ab 1890 setzt sich der Begriff in der Diskussion durch. Die Hauptschuld an der Entstehung des Begriffs Masochismus trägt aber der Kaiser von Österreich. Hätte der Monarch nicht Anno 1838 durch ein Edikt den Erhalt den Doppelnamen Sacher-Masoch zugelassen und so einen renommierten Namen vor dem Aussterben bewahrt, dann würde das Phänomen womöglich Sacherismus heißen. Die Sacher-Torte böte bei jeder Kaffeetafel Spielraum für vielfältige Spekulationen über die rätselhaften Veranlagungen des Wiener Konditors.

Eine rätselhafte Veranlagung und ihre Ursachen

Im Hinblick auf die (neidvollen) Schilderungen seines Schriftstellerkollegen Thaler stellt sich jeder vernünftige Mensch die Frage nach den Motiven, die den gefeierten Autor und Liebling der Frauen auf derartige Abwege geführt haben. Die Suche nach Ursachen für die erotische Fixierung wie für den frühen literarischen Erfolg führt in die Kindheit. Innerhalb eines Jahres macht Leopold von Sacher-Masoch zwei prägende Erfahrungen: die als lustvoll empfundene Züchtigung durch die Tante im Alter von 9 Jahren - in Venus im Pelz aufgegriffen - und, ein Jahr später, das Erlebnis des Polnischen Aufstandes von 1846. Die körperliche Bestrafung wird zur Urszene in Sacher-Masochs Leben und Werk, in seinen Erinnerungen detailliert beschrieben. Erbost darüber, daß der Neffe sie beim Seitensprung beobachtet hatte, gerät die Tante in Rage: "Im Handumdrehen hatte sie mich der Länge nach auf dem Teppich ausgestreckt; dann packte sie mit der linken Hand meine Haare, setzte ein Knie auf meine Schultern und begann mich kräftig auszupeitschen. Ich biß mit aller Kraft die Zähne zusammen; dennoch tragen mir die Tränen in die Augen. Aber ich muß doch zugeben, daß ich, obwohl ich mich unter den grausamen Schlägen der schönen Frau wand, eine Art von Lust dabei empfand." Diese Schlüsselszene hat ein berühmtes literarisches Vorbild: Jean-Jacques Rosseau beschreibt in seinen Confessions, daß er bei der körperlichen Züchtigung einer Erzieherin im Schmerz und sogar in der Scham "eine Art Wollust" empfunden habe, eine Empfindung, von der er annimmt, daß sie seine Neigungen und Begierden für den Rest des Lebens maßgeblich bestimmt habe. Für Sacher-Masochs ist die Urszene zudem unlösbar verknüpft mit dem Erlebnis politischer Gewalt: Der Sohn des Polizeipräsidenten von Lemberg erlebt den polnischen Aufstand gegen die Österreichische Verwaltung, wird Zeuge der Kämpfe und erlebt die Faszination der Grausamkeit. Die eigene Erfahrung der Geschehnisse bringt ihn in Opposition zum auflagenstärksten deutschen Autor seiner Zeit und sein Widerspruch ist der Anfang seiner Laufbahn als Schriftsteller. Der junge Privatdozent liest einer Dame aus Gustav Freytags Bestseller Soll und Haben vor, als ihm bewußt wird, daß die Schilderung des polnischen Aufstandes, den er aus eigener Anschauung kennt, nur so vor Fehlern strotzt. (Freytags Szene erinnert eher an einen Western, nur werden gute Deutsche Siedler, die ein verlottertes Gut retten wollen, von wildgewordenen polnischen Horden belagert). Als der Historiker seine eigene Erfahrung schildert, erhält er die Aufforderung, doch ebenso mitreißend zu schreiben. Zwei Romane liegen vor, als ihn das dritte prägende Erlebnis heimsucht: seine erste Liebesbeziehung. Am Anfang steht verweigerter Respekt. Den versagt der in Liebesdingen unerfahrene Privatdozent, immer noch vom Ideal der großen und einzigartigen reinen Liebe umfangen, einer allseits umworbenen und bewunderten Schönheit. Die nimmt das Desinteresse als Herausforderung, erobert den bis dahin erotisch unerfahrenen jungen Mann und macht sich ihn untertan. Dann folgt der Alltag samt den Versorgerpflichten, am Ende steht verlorener Respekt und ein neuer Liebhaber. In Venus im Pelz sind die Erfahrung der ersten Lust und der ersten Liebe zusammengezogen zu einem Erlebnis.

S/M oder was hat der Edle von Sacher-Masoch mit dem Marquis de Sade zu tun?

Die Buchstabenkombination SM hat inzwischen einen eindeutigen Beiklang, als Kürzel für den Mann, dessen Name für einem medizinischen Begriff unfreiwillig Pate stand, taugt es sicher nicht mehr. Nach landläufigen Vorstellungen verhalten sich Sadismus und Masochismus zueinander wie Vorder- und Rückseite einer Münze, die derzeit gängige Praxis mag derartige Ansichten begünstigen. Tatsächlich handelt es sich aber nur bedingt um zwei Seiten derselben Medaille. Am besten läßt sich der Unterschied zwischen klassischem Sadismus und Masochismus and der Rolle des Opfers/Sklaven festmachen. Begibt sich Sacher-Masochs Severin aus freien Stücken in die Rolle eines Sklaven, so hat das Opfer keine Wahl. Justine, Titelheldin von de Sades erstem Roman, wird wieder und immer wieder wider Willen das Opfer von Männern, die sie foltern, wie viele andere Frauen vorher. Justine steht in der Tradition von Voltaires Candide, und deshalb gereicht der tugendhaften Justine jeder Versuch, christlich zu handeln oder etwas Gutes zu tun, zum Schaden. Abgesehen davon, daß sie ein guter Mensch ist und ständig in die Opferrolle gerät, hat sie erstaunlich wenig Eigenschaften. Die gute Justine lernt auch nichts dazu, am Ende ihrer Leiden wird sie von einem Blitzschlag getroffen. Severin dagegen geht - wie auch sein Autor - das Risiko bewußt ein. Nachdem er das Maß seiner Leiden ausgekostet hat, ist er ein anderer Mensch geworden. Der Dilettant in vielen Künsten beherrscht fortan die Frauen und das Leben. Auch bei der Gewichtung des –istischen Anteils wird der Unterschied deutlich: Se verins Sklavenzeit nimmt etwa die Hälfte des Umfangs von Venus im Pelz ein, Justines leidensfreie Phasen beschränken sich im wesentlichen auf die erste und die letzte Seite ihrer Geschichte und ihre Wege von einem Folterer zum nächsten.

Erst aufschreiben, dann ausleben

Auch im Leben der beiden Diskursbegründer gibt es auffällige Unterschiede: Der Marquis de Sade zahlte für seine Versuche, den Traum in die Realität umzusetzen, mit lebenslänglicher Haft u.a. in der Bastille. In Gefangenschaft entstanden auch jene Texte, in denen er seine Phantasien in Fiktion verwandelte. Ohne ihre schriftliche Fixierung wäre der Marquis allenfalls eine Fußnote im langen Sündenregister jenes ancien regime, das durch den Sturm auf die Bastille und die folgenden Revolutionen beseitigt wurde. Nur dank seines Status als Irrer entging de Sade der Gleichmacherin, die ein Dr. Guillot zwecks Verringerung der Leiden des Opfers erfunden hatte. Der Ritter von Sacher-Masoch gestaltete seine Phantasien erst literarisch und unternahm dann Versuche zur Umsetzung in die Wirklichkeit. Zunächst als zeitlich begrenztes Experiment oder als eine Form der Therapie. Im Anschluß an die Niederschrift der Venus im Pelz folgte ein Vertrag mit Fanny von Pistor samt Reise nach Italien. Das weitere Leben des Verfassers verlief allerdings anders als das seines Helden, auch wenn zunächst alles nach einem Therapieerfolg aussah. Im Dezember 1871 erhält er erstmals Post von einer Frau, die mit Wanda von Dunajew unterzeichnete. Aufgrund der Briefe und der darauffolgenden Bekanntschaft gab er seine anderen Beziehungen auf und schloß einen lebenslänglichen Vertrag. Eine Unbedingtheit also, die er seinen Romanhelden Severin überwinden ließ. Seine Wanda war aber keine vermögende Witwe oder Bankierstocher, sondern eine junge, aber blutarme Handschuhmacherin mit großen Ansprüchen an das Leben. Ob die Verwirklichung seiner Vorstellung hinter den Erwartungen zurückblieb? Anfangs sicher nicht, sonst wäre nicht auf eine private Zeremonie eine formelle Eheschließung gefolgt. Auf die folgt dann der Einschluß zu Schreibpflichten zwecks Lebensunterhalt. Enthält der erste Vertrag mit Fanny von Pistor noch ausdrücklich festgelegte Schreibzeiten als Freiraum für den Sklaven, der sonst die Pflichten eines Dienstbo - ten wahrnehmen muß, so ist der zweite Vertrag mit Wanda ein Dokument absoluter Unterwerfung, in dem sich u.a. Passagen finden, die Wandas Vorgehensweise rechtfertigen, auch nach dem Scheitern der Ehe: "Sie müssen arbeiten für mich wie ein Sklave, und wenn ich im Überflusse schwelge und Sie entbehren lasse und Sie mit Füßen trete, dann müssen Sie ohne zu murren, den Fuß küssen, der Sie getreten.... Ihre Ehre gehört mir, wie Ihr Blut, Ihr Geist, Ihre Arbeitskraft, ich bin Ihre Herrin über Leben und Tod. Wenn Sie je meine Herrschaft nicht mehr ertragen können, daß Ihnen meine Ketten zu schwer werden, dann müssen Sie sich töten, die Freiheit gebe ich Ihnen niemals wieder." Leopold findet in Wanda die Verwirklichung seiner Fiktion; die Domina, die ihn bis aufs Blut auspeitscht, die bei jeder Arbeit und zu jeder Jahreszeit Pelze und ausgefallene Garderoben trägt, die ihn schließlich mit anderen Männern betrügt. All dies verläuft nach seiner Regie: die dominierende Frau ist das Werkzeug des ausgelieferten, unterworfenen Sklaven. Leopold treibt Wanda in mehrere Affären. Als sie sich jedoch ernsthaft verliebt, ist die Ehe gescheitert. Der Vertrag bleibt jedoch auch noch gültig, nachdem Wanda ihren Sklaven verlassen hat. Nicht der Versuch, die Fiktion in die Wirklichkeit umzusetzen, kostete Leopold von Sacher-Masoch den literarischen Nachruhm, sondern der Verstoß gegen die eigenen Erkenntnisse. Das Streben nach Dauer oder Permanenz in der Beziehung zwischen Mann und Frau vernichtete seine wirtschaftlichen Grundlagen und lieferte den Autor den Gesetzen des literarischen Marktes aus. Einmalige Honorarzahlungen machten die Verleger reich und zwangen den Autor, der so große Visionen für alle Lebensbereiche hatte, zur Reproduktion seines Klischees. Der geglückte Versuch, dem Erlebnis Dauer zu verleihen, erwies sich am Ende als verhängnisvolle Entscheidung. Erst wurde er ein Opfer der allzu großen Vertragstreue seiner Wanda, dann der Gesetze des Marktes und zuletzt des wissenschaftlichen Klassifizierungswahns eines Wiener Psychiaters mit Doppelnamen.

Lebensgeschichte

Kindheit und Jugend 1836-1861

Die Erzählungen und Lieder seiner kleinrussischen Amme, die das Kind auch in ihr Heimatdorf mitnahm, gaben der Phantasie des Knaben erste Anregungen. Durch den Vater der Mutter kam Leopold auch mit einer anderen Volksgruppe in Kontakt. Großvater Masoch galt nicht nur als einer der besten Ärzte der Monarchie, sondern war auch ein Mensch ohne Vorurteile. Der Professor an der medizinischen Fakultät der Universität Lemberg bekämpfte nicht nur erfolgreich die Cholera in diesem Landstrich, er veranlaßt auch die Öffnung des Ghettos und behandelt als (einziger christlicher) Arzt die Bewohner des Judenviertels. Bei seinen Visiten begleitete ihn auch sein Enkel. Das frühe Erlebnis des Ostjudentums machte später aus dem Erzähler Sacher-Masoch einen zuverlässigen Chronisten dieser Lebenswelt und einen Kämpfer gegen antisemitische Tendenzen bis in die letzten Tage seines Lebens. Der Vater war nicht als Menschenfreund bekannt. Als Polizeipräsident von Galizien ließ er gelegentlich foltern, sein Sohn erlebte derar - tige Vorführungen mit. Die Zeugenschaft bei der Niederschlagung des Aufstandes des polnischen Adels gegen Österreich (1846) sollte Nachwirkungen haben. Sacher-Masochs Schilderung des Aufstands steht am Anfang der Schriftstellerkarriere. Als 10jähriger kann er aber noch kein Wort Deutsch, die Sprache in der er später schreiben wird, lernt er erst zwei Jahre später, nach der Versetzung seines Vaters nach Prag, der auch dort erfolgreich einen Aufstand niederschlägt. Die nächste Versetzung des Vaters bringt Leopold nach Graz.

1861 – 1865 Eine geschiedene Frau

Zwei Romane sind bereits erschienen, als der Jungautor eine weitere prägende Erfahrung macht. Anna von Kottowitz, die allseits umschwärmte Frau eines Grazer Arztes fühlt sich von dem jungen Privatdozenten anzogen, nimmt dessen Desinteresse als Herausforderung und erobert den bis dahin erotisch unerfahrenen jungen Mann. Der Ehemann wiederum verweigert dem begabten Autor das Duell, überläßt ihm aber Ehefrau samt Kindern und der Verpflichtung diese zu ernähren. Dieser unverhoffte Beweis seiner Attraktivität hat seinen Preis: Verzicht auf seine künstlerische Freiheit und die Möglichkeit zur Weiterentwicklung. Statt dessen alltägliche Schreibereien für Zeitschriften und Journale zur Bestreitung des Lebensunterhalts. Die Erfahrung, daß bei seiner Geliebten die Kinder Vorrang haben, motiviert ihn zur Erzählung Don Juan von Kolomea (1864). Die erscheint zwei Jahre später mit der Empfehlung von Ferdinand Kürnberger, seinerzeit der bedeutendste Literaturkritiker Österreichs. Der Durchbruch ist geschafft; die Erzählungen aus Galizien tragen Sacher-Masoch den Beinamen Turgenjew Kleinrusslands ein. Die literarische Verarbeitung der Beziehung zu Anna von Kottowitz gelingt erst 1870, d.h. nach der Entstehung der Venus im Pelz und der Realisierung seiner Phantasien.

1868 –1873 Don Juan und Severin

Erfolg bei den Frauen ist ebensowenig das Problem des Verfassers der Venus wie seines Protagonisten Severin. Der erste Versuch zur Verwirklichung seiner Phantasie scheitert an den überwiegend lesbischen Neigungen der Mitspielerin, ein Jahr später glückt der zweite Anlauf. Mit Fanny Pistor, der Baronin Bogdanoff, verbringt er den größten Teil des Jahres, ehe er mit ihr im Dezember einen Sklavenvertrag abschließt. Der Roman Venus im Pelz ist zu diesem Zeitpunkt bereits fertig gestellt. Als Bedienter der Baronin Bogdanoff reist er mit ihr im Frühjahr 1870 nach Florenz. Auf den ersten Blick hat das Erlebnis eine therapeutische Wirkung wie im Roman. Anschließend stehen andere Konstellationen im Vordergrund. Zwei Schauspielerinnen sind die Konstanten seines Lebens, nachdem er seine Phantasie ausgelebt hat. Mit Jenny von Frauenthal ist er verlobt, mit Caroline Herold hat er ein Verhältnis und eine Tochter, als ihn im Dezember 1871 der erste Brief einer Wanda von Dunajew erreicht. Hinter diesem Decknamen verbirgt sich die aus kleinbürgerlichen Verhältnissen stammende Handschuhnäherin Angelika Aurora Rümelin. Bis zum Karneval besteht die Beziehung zu Wanda aus einem täglichen Briefwechsel. Das erste Zusammentreffen erfolgt anonym auf einem Maskenball. Nachdem sich Wanda in der Maske einer verheirateten Frau von Leopolds Qualitäten überzeugt hat, lüftet sie ihr Inkognito. Am 15.11.1872 schließen Leopold und Wanda in einer "inoffiziellen" Traumzeremonie einen lebenslänglichen Vertrag, 1873 wird die Beziehung in der Kirche legalisiert.

1873 - 1882 Die Ehe mit Wanda

Die Eheschließung bildet einen Wendepunkt in Sacher-Masochs Laufbahn als ernsthafter Schriftsteller. Zwei Söhne (Alexander *1874 und Demetrius * 1875) schaffen neue Unterhaltsverpflichtungen, und die besorgte Mutter sperrt ihren Sklaven jetzt zwecks Zeilenschinderei zum Lebensunterhalt ein. Versuche, auf andere Art zu Geld zu kommen, scheitern, obwohl der bekannteste Mäzen der Zeit von sich aus an Sacher-Masoch herantritt. Nach Wandas Angaben kommt es auch zu einem Briefwechsel und einem Zusammentreffen mit Ludwig II., jedenfalls vermutet sie den sagenumwobenen Märchenkönig hinter dem Träger des Pseudonyms Anatol. Aber weder drastische Maßnahmen noch geheimnisvolle Fremde können den Niedergang der finanziellen Situation und den Verlust im öffentlichen Ansehen aufhalten. Wohnorte wie Quartiere werden immer schlichter, am Ende des Jahrzehnts wohnt der Ritter von Sacher-Masoch in einem Arbeiterviertel, nach einem verlorenen Rechtsstreit mit einem Verleger droht gar ein Aufenthalt im Kerker. Die gestrenge Herrin unternimmt sogar einen persönlichen Gnadengang zum Kaiser, auch die halbe Strafe ist immer noch zuviel für Leopold. Die Flucht auf Reichsdeutsches Gebiet bewahrt in vor der Haft. Im Verlagszentrum Leipzig gründet Sacher- Masoch 1881 die Revue Auf der Höhe, für seine Zeitschrift kann er auch renommierten Autoren wie z.B. Victor Hugo, den italienischen Veristen Giovanni Verga oder Ludwig Ganghofer als Mitarbeiter gewinnen.

1882 – 1886 Schmutziger Scheidungskrieg oder bedingungslose Vertragstreue?

Ein Versuch, mittels einer Zeitschrift wieder Grund unter die Füße zu bekommen, führt zur einstweiligen Trennung des Paares. Wanda nutzt ihre Freiheiten und geht mit dem Mitherausgeber durch. Als Leopold sich seinerseits anders orientiert und eine Beziehung mit Hulda Meister eingeht, die auch schon Beiträge zu Auf der Höhe geliefert hat, lernt er die Vertragstreue seiner gestrengen Herrin kennen. Auf den ersten Blick erscheinen die Vorfälle der folgenden Jahre wie ein besonders schmutziger Scheidungskrieg, in dem die wechselseitige Entführung der Kinder noch zu den harmloseren Kapiteln zählt. Wanda macht im Namen ihres Mannes Schulden, der sich wiederum mit den Pfändungsbeamten herumschlagen muß. Dabei kommt es zu tragischen Koinzidenzen. Der beim Vater lebende Sohn Alexander stirbt, während die Beamten auf Veranlassung seiner Mutter in der Wohnung Pfändungen vornehmen. Der Weg nach unten ist damit noch nicht zu Ende, Wanda läßt ihren Sklaven und Ehemann solange pfänden, bis er zum sprichwörtlichen nackten Mann geworden ist. Er hat keine eigenen Kleider mehr am Leib, als ihn seine einstige Mitarbeiterin und aktuelle Geliebte vor der Obdachlosigkeit bewahrt. Drei Jahre nach Wandas Flucht mit seinem Kollegen, eine auffällige Parallele zum Roman, entscheidet sich Leopold für einen erneuten gemeinsamen Anlauf zu Ruhm und Geld. Seit dem Tod Turgenjews (1883) ist dessen Stelle im geistigen Zentrum Europas vakant, insofern bestehen gute Aussichten für den kleinrussischen Turgenjew. Auf den ersten Blick erscheint der Aufenthalt in Paris als Triumphzug sondergleichen: die literarische Welt feiert Sacher-Masochs Ankunft und die Republik zeichnet ihn mit einem Orden aus. Der Aufenthalt in Paris bleibt hinter den Erwartungen zurück, privat wie finanziell. Wanda willigt nun in die Scheidung ein, kaum ist die abge- dankte Herrin aus dem Haus, da lädt Leopold umgehend Hulda Meister nach Paris ein und fordert eine weitere Strafaktion heraus: Wanda läßt wieder einmal seine Honorare pfänden. Drei Jahre später heiratet er Hulda Meister in Helgoland. Nach katholischem Rechtsverständnis bleiben Wanda und Leopold Eheleute bis zum Tod einer Partei, ganz im Sinne des Vertrages. Eine Tatsache, die sich Wanda später zunutze machen wird.

1887 – 1895

Die letzten Lebensjahre verlaufen weniger turbulent, im hessischen Lindheim findet der erst gefeierte, dann gehetzte Schriftsteller nicht nur einen dauerhaften Wohnsitz, sondern auch neue Aufgaben. Der einstige Skandalautor entwickelt neue Initiativen als Philanthrop und gründet einen Verein für Volksbildung, der gleichermaßen kulturelle wie soziale Ziele verfolgt. Stipendien für die Dorfbevölkerung und an ländliche Arbeiter gehören ebenso zum Programm wie Laienaufführungen der Stücke von Goethe, Kotzebue und anderer Klassiker. Seine publizistischen Aktivitäten richten sich gegen den Verein der antisemitischen Front. Bis zuletzt schreibt er, was die Verleger von ihm erwarten, aber auch für das Vermächtnis Kains gilt das Motto: die Hoffnung stirbt zuletzt. Der sechste und letzte Teil seines ambitionierten Zyklus ist am weitesten gediehen, als der Tod der Vollendung des gleichnamigen Buches zuvorkommt. Am 9. März 1895 erliegt Sacher-Masoch einem Herzinfarkt. Die Streitereien um die Person des Skandalschriftstellers nehmen auch danach kein Ende. Wanda gibt auch nach dem Tod keine Ruhe, ficht Leopolds Testament an und erklärt sich zur legitimen Witwe. Ihre Lebensbeichte (1906) entfacht eine erste Debatte über die Person des Autors, dessen Name schon seit 20 Jahren zum Schlagwort für eine erotische Perversion geworden ist. Zu diesem Zeitpunkt ist das literarische Werk neben der Venus im Pelz längst in Vergessenheit geraten.

Schlussbemerkung: drei Nobelpreisträger und ein verkanntes Genie?

Paul Heyse und Sacher-Masoch

Als Paul Heyse sein kritisches Vorwort zu Sacher-Masochs Don Juan schreibt, befindet er sich in Sachen Produktivität und Ansehen auf einem Spitzenplatz im literarischen Leben, kämpft aber zugleich selbst gegen den Ruf eines Skandalautors, weil er in seinem Roman Im Paradies (1875) das Zusammenleben zwischen Mann und Frau ohne Segen der Kirche thematisiert hatte. Heyse vertritt zwar freireligiöse Ansich - ten und kämpft gegen die Intoleranz der Geistlichkeit - im Unterschied zu Sacher-Masoch war ihm aber der einmal geschlossene Bund fürs Leben heilig und unauflöslich. Dies zeigt sich auch in einem späteren Roman, dessen männliche Hauptperson auffällige Ähnlichkeiten mit der Erscheinung Sacher-Masochs aufweist. In "Über den Wolken" (1891) verursacht ein überaus eleganter und raubtierhafter Freidenker heftige emotionale Turbulenzen bei der Weiblichkeit in seinem neuen Wohnort. Das Buch wurde seinerzeit als eher verfehlte Auseinandersetzung mit der Philosophie Friedrich Nietzsches mißverstanden - Sacher-Masochs verführerische Präsenz war schon weitgehend aus dem Bewußtsein der Feuilletonisten entschwunden. Mit der äußeren Erscheinung enden schon die Parallelen. In Heyses Romanen und Novellen ist die Begierde zwar stets stark, aber die Moral noch stärker: Heyse spielt zwar gern mit den Gefühlen seiner Figuren und seiner Leser, gönnt aber nicht einmal seinen zwielichtigen Gestalten das zweifelhafte Vergnügen, von der Begierde überwältigt zu werden. Der Literaturnobelpreis war eine späte Belohnung für soviel Fleiß und Tugend.

Sacher-Masoch als Vorbild für den "Naturalismus"

Der "Salonpoet" und "novellistische Zuckerbäcker" Paul Heyse gehört schon Mitte der 80er Jahre seines Jahrhunderts zu den Feindbildern einer neuen literarischen Generation, die später unter dem Sammelbegriff Naturalismus in die Literaturgeschichte eingehen wird. Der realistische Erzähler Leopold von Sacher-Masoch zählt wiederum zu den anerkannten Vorläufern der jungen Autoren, die sich gelegentlich im Haus von Gerhart Hauptmann treffen. Gerhart Hauptmann (1862-1946) wird inzwischen überwiegend mit dem sozialen Drama in Verbindung gebracht. Eine kurze Episode im Leben des Künstlers, der sich mehr als 60 Jahre ungestört seinem literarischen Schaffen widmen konnte. Ungestört, heißt soviel wie frei von finanziellen Sorgen. Das Thema sexuelle Hörigkeit findet sich nicht umsonst so oft im Werk des Literaturnobelpreisträgers, ein später Roman zu diesem Thema trägt den Titel Wanda.

 

Im Vergleich: Thomas Mann - der andere Weg

Selbst ohne intime biographische Kenntnisse liest sich der Anfang von Tonio Kröger eher wie das Outing eines Homosexuellen, denn als eine Künstlernovelle. Auch wenn das vielen Zeitgenossen entgangen ist. Einmal angenommen der Verfasser hätte daraufhin Post vom Mann seines Lebens oder von einem der bis dahin vergeblich begehrten blonden Jünglinge bekommen, die beiden hätten Gefallen aneinander gefunden und der junge Autor hätte die Verpflichtung übernommen seinen Liebling zu ernähren. Dann gäbe es zwar trotzdem einen Roman mit dem Titel Die Buddenbrooks, es ist aber mehr als zweifelhaft, daß der Verfasser dafür mit dem Lite - raturnobelpreis bedacht worden wäre. Vor allem nicht, wenn der Großteil seiner darauffolgenden literarischen Produktion aus Erwerbsnöten für eine einschlägige Zielgruppe produziert worden wäre. Thomas Mann entschied sich bekanntlich für sein literarisches Schaffen und gegen seine Veranlagung.

Armin Hennigs für den Diderot-Verlag verfasster Booklet-Text. 

 

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