…
„Was ist, Erika?“
Ich schlucke. „Du weißt ja, daß hier in der Gegend ein Mörder herumläuft, und du hast sicher gehört, daß der Unhold mich angegriffen hat. Ich habe dir noch nicht erzählen können, daß alle hohen Herren am Ort mir keinen Schutz zugesichert haben. Das ist ungeheuerlich, denn eigentlich bin ich doch eine angesehene Witwe hier in der Stadt. Kannst du ein solches Verhalten begreifen, Liebster?“
Armin blickte mich aus seinen hübschen, braunen Augen an. Er schüttelte den Kopf. Dann sprach er:
„Das klingt mir fast so, als wolle man dich isolieren, Geliebte. Ich hätte nie gedacht, daß die Menschen gegen Ende des siebzehnten Jahrhunderts noch so gemein sein können. Hast du dich an den Pfarrer, den Bürgermeister und den Ortsältesten gewandt?“
Seine Stimme klang besorgt, und ich herzte ihn deswegen. „Ja, alle habe ich gebeten, mich doch nicht schutzlos zu lassen, doch sie lächelten nur und blieben vage in ihren Antworten. Ich finde das unerhört!“
Da drückte mich der neue Freund an seine Brust, und ich empfand ein Gefühl von Geborgenheit. Ich mochte ihn, obgleich ich bisher nur ein wenig mit ihm kokettiert hatte. Er war so stockvernünftig, wie ein echter Edelmann.
„Liebste Erika. Ich bekomme den Eindruck, daß die hohen Herren unserer Stadt es darauf ankommen lassen, daß dir etwas geschieht. Oder aber, was noch schlimmer ist, sie verlangen von dir eine bestimmte Gegenleistung. Ich glaube, du verstehst, was ich meine.“
Natürlich! Daß ich naives Ding daran noch nicht gedacht hatte! Jetzt traten mir die Gesichter der Stadtobersten wieder vors geistige Auge. Der Bürgermeister Walther Mayher hatte so hintergründig gegrinst, als er anbot, daß er schon für meinen Schutz sorgen könne, aber und der Dorfälteste, ein ebenfalls recht vitaler Mann von 70 Jahren. Auch der hatte so merkwürdig gelächelt, als er anbot, mir *sicher* helfen zu können, aber – Ja, ich muß meinem Freund, dem Schmied recht geben!
Aber jetzt bin ich geborgen, ich weiß mich von Armin beschützt. Gleichzeitig nehme ich mir vor, die Gesinnung der Herren einmal richtig zu prüfen. Aber das hat noch etwas Zeit, denn jetzt hat Armin mich soweit, daß ich mich nach seinem tollen, muskulösen Körper sehne.