Familienspiele (kostenlose Vorschau)

Familienspiele

Jupp H. stand vornübergebeugt vor seiner Dreh­bank. Sorgfältig las er noch einmal die Schieblehre ab, ehe er den Vorschub einschaltete. Jetzt hatte er wieder zehn Minuten Zeit, bis der nächste Span heruntergeschuppert war.

Gemütlich ließ er sich auf dem Hocker neben dem Werkzeugschrank nieder und griff nach der Zeitung. Ab und zu blickte er auf, um den Lauf der Bank zu kontrollieren. Dabei entfernte er die korkenzieherar­tigen Späne, die sich um den Drehstahl gewickelt hat­ten.

Jupp hatte einen gemütlichen Job. Seine Arbeitskol­legen und die Vorgänger schienen es verstanden zu haben, die Zeitnehmer immer wieder zu täuschen, wenn die Akkordzeit neu gestoppt wurde. So blieb ihm immer Muße genug, zwischendurch einen Krimi oder die Zeitung zu lesen. Dem Meister und dem Halleningenieur war zwar auch schon aufgefallen, daß die Maschinen Jupps und seiner unmittelbaren Nachbarn langsamer liefen als üblich, und sie schick­ten ihnen mindestens zweimal im Monat die Refa- Leute auf den Hals, jedoch ohne Erfolg. Es gelang nicht, den Akkord zu drücken.

Jupp war 25, groß und sportgestählt, in fast allen gän­gigen Sportarten zu Hause, vom Kegeln bis zum Fuß­ball. Dementsprechend ließ er sich nur selten daheim bei seiner „Alten“ sehen. Vor einigen Monaten hatte er nämlich geheiratet. Notgedrungen!

Zunächst war er sich allerdings nicht so ganz im kla­ren gewesen, ob er zahlen oder in den Hafen der Ehe laufen sollte. Schließlich hatte er sich fürs Heiraten entschieden. Nicht zuletzt deshalb, weil er mit seiner relativ hübschen Frau im Haus seines Schwiegerva­ters preiswert wohnen konnte. Franz gehörte zwar auch keiner besseren Gesellschaftsschicht an - er ar­beitete als Monteur bei der gleichen Firma - doch im Gegensatz zu Jupps eigenen Eltern besaß er ein Haus, das sein Vater gebaut und ihm überschrieben hatte.

Jupp fand es schon komisch, daß seine Tante Käthe, die Schwester seiner verstorbenen Mutter, nun auch noch seine Schwiegermutter geworden war. Die erste Frau von Franz war mit 16 vergewaltigt worden, ohne daß man den Täter je gefaßt hatte. Dafür war sie schwanger geworden. Franz hatte sie dennoch gehei­ratet, doch sie starb bereits, als Ute noch keine zwei Jahre alt gewesen war. Drei Jahre darauf heiratete Franz Jupps Tante Käthe. Sie bekam von ihm zwei Kinder, die rothaarige Gisela, jetzt siebzehn, und die zwei Jahre jüngere, blonde Susanne. Gisela arbeitete als Sekretärin bei einem Architekten. Sie hatte einen Verehrer namens Dieter, den sie aber mehr zu dul­den als zu mögen schien. Susi ging noch zur Schule, und zwar in ein bekanntes Mädchenpensionat. Mit Jungs schien sie noch nicht viel im Sinn zu haben, denn wenn sie mal am Wochenende da war, sah man sie meist nur über ihren Büchern hocken.

Ute schließlich, Jupps schwarzhaarige Frau, war 22 und Kinderpflegerin von Beruf. Sie hatte Jupp ei­gentlich schon als kleines Mädchen gereizt, wenn er seine Tante besuchte, doch Ute hatte sich ziemlich lange geziert. Sie mochte Kinder sehr gern und hatte auf ein spätes Geschwisterchen gehofft, da Käthe noch mal schwanger geworden war. Es hatte sich je­doch um eine Eileiterschwangerschaft gehandelt. Die Ärzte hatten Käthe dann einiges entfernt, was sie aber in ihrer Liebesfähigkeit nicht im mindesten be­einträchtigte.

Ein lautes Kreischen schreckte Jupp auf. Der Span war durchgelaufen. Beinahe hätte er wieder mal ei­nen Stahl ruiniert oder die Ausschußsammlung um ein weiteres Werkstück bereichert. Im letzten Mo­ment gelang es ihm mit einem Faustschlag, den Vor­schub auszuschalten. Danach konzentrierte er sich etwas mehr auf seine Arbeit. Um viertel vor vier stand Rudi, seine Ablösung, neben ihm. Um vier Uhr war Schichtwechsel. Rudi besaß die angenehme Ge­wohnheit, immer einige Minuten früher zu erschei­nen. So konnte Jupp schon vor dem Klingeln seine Sachen zusammenpacken und sich auf den Spurt zu den Waschräumen vorbereiten.

Das fünf Sekunden lange Klingeln war noch nicht verhallt, da schossen überall hinter den Maschinen Gestalten hoch und sprinteten in Richtung der Aus­gänge, die den Andrang kaum bewältigen konnten. Eine halbe Minute später befand sich niemand mehr von den Abgelösten in der Halle. Sie drängten sich jetzt mit den Kollegen aus anderen Abteilungen an den Waschbecken und unter den Duschen.

Dichte, fast undurchdringliche Dampfschwaden la­gerten über ihnen. Es herrschte ein babylonisches Stimmengewirr. Eine Mischung aus Deutsch, Italie­nisch, Spanisch und Türkisch mit einer Lautstärke, bei der man kaum noch das eigene Wort verstand. „Kommst du heute abend?“ brüllte Ulrich, einer sei­ner Kegelbrüder, aus der Duschkabine nebenan. „Auf jeden Fall“, gab Jupp ebenso laut zurück. „Komm nicht zu spät! Heut abend wird der Monats­meister ausgekegelt!“

Zehn Minuten später ließ Jupp sich im Strom der Ar­beitskollegen dem Werkstor zutreiben. Als er die Kontrolltaste beim Pförtner drückte, erschien Rot­licht.

„Scheiße“, murmelte er vor sich hin, während er die Pförtnerloge betrat. Zum Glück hatte er heute weder Werkzeug noch Material „ausgeliehen“. Nach einer kurzen Inspektion seiner Aktentasche konnte er ge­hen. Eine Leibesvisitation war nicht erforderlich, da er infolge der warmen Witterung nur ein buntes Hemd und Bluejeans trug.

Mit beschwingten Schritten machte er sich auf den Heimweg, in Gedanken schon beim bevorstehenden Kegelabend. Als er das kleine Wohnzimmer im zwei­ten Stock betrat, stand seine Frau am Sofa über einen geöffneten Koffer gebeugt und packte Wäsche hin­ein. Er warf seine Tasche in die Ecke und knurrte: „Was machst du denn da?“

„Das siehst du doch! Ich packe meinen Koffer.“

„Für immer?“ fragte er hoffnungsvoll.

„Tut mir leid, daß ich dir diesen Gefallen nicht tun kann. Ich fahre nur ein paar Tage zu meiner Freundin Elke. Sie ist schwer krank und hat niemand, der sie betreut, es ist nur gut, daß ich noch Ferien habe.“ „Mit deinem dicken Bauch?“ grinste er.

„Das macht doch dem Bauch nichts! Außerdem dau­ert es ja noch fast ein Vierteljahr, bis es soweit ist. Bringst du mich nachher zum Bahnhof?“

„Das kann ich machen. Ich gehe sowieso zum Ke­geln.“ „Wenn du nicht jeden Tag unterwegs sein kannst, bist du nicht glücklich!“ sagte sie spitz und klappte den Koffer zu.

Später saßen sie am Tisch und kauten lustlos an belegten Broten, die Ute gemacht hatte.

„Solange ich weg bin, kannst du bei Mutter unten essen“, meinte sie. „Deshalb habe ich auch nichts weiter eingekauft.“

„Ist dein Vater noch auf Montage in Norwegen?“ brummte er mit vollem Mund.

„Heute morgen kam eine Karte von ihm, er muß vor­aussichtlich noch zwei Wochen bleiben.“

Jupp brauchte nicht lange, um sich umzuziehen. Nur die Sandalen, die er zur Arbeit angehabt hatte, er­setzte er durch Turnschuhe. Nach einigen Bemühun­gen sprang sein alter Opel, der vor dem Haus auf der Straße stand, endlich an.

Seine Frau setzte er vor dem Bahnhof ab und drückte ihr den Koffer in die Hand, sie auf den Bahnsteig zu begleiten, hielt er nicht für nötig.

Das Lokal, in dem der Kegelabend stattfand, lag nicht weit entfernt. Hein, der vollschlanke Wirt, stand hinter dem Tresen.

„So früh warst du ja noch nie da!“ wunderte er sich. „Du bist der erste!“

Jupp drückte ihm seinen Autoschlüssel in die Hand. „Den gibst du mir nachher auf keinen Fall zurück! Und wenn ich noch so sauer auf dich bin!“

Hein grinste verständnisvoll und ließ den Schlüssel in der Kassenschublade verschwinden.

Nach und nach trudelten die Kegelbrüder ein. Die er­sten Spiele verliefen noch verhältnismäßig vernünf­tig. Eine Stunde später wurden die ersten Lieder an­gestimmt.

Mit: „Oh du schöner Westerwald ...“ fing es an und steigerte sich gegen halb zehn über: „Die Fahne hoch ...“ bis zum Deutschlandlied.

Zum Abschluß wurde wie üblich „Frau Wirtin“ stra­paziert. Als sie in voller Lautstärke den Vers grölten: „Frau Wirtin hatte ’nen Off zier, das war ein ganz perverses Tier! er fickte nur in der Periode, und wenn er dann im Blute schwamm, träumt’ er vom Heldentode!“ stand plötzlich Hein in der Tür.

„Seid ihr verrückt geworden?“ brüllte er. “Ich habe auch noch andere Gäste!“

Für eine Weile trat Ruhe ein. Jetzt aber machte das Kegeln keinen Spaß mehr. Ohne große Begeisterung schoben sie ihre Kugeln.

Die meisten nahmen sie nur noch verschwommen wahr.

Plötzlich rief Ulrich: „Wißt ihr, was wir jetzt tun, Leute?“ Allgemeines Kopfschütteln: „Wenn ihr ge­nug Geld dabei habt, gehen wir in die Bocksgasse!“ Dort befand sich das Freudenhaus der Stadt. Es exi­stierte zwar noch ein anderer Puff, der jedoch wegen der hohen Preise dem besseren Publikum Vorbehal­ten war.

Zuerst waren fast alle von Ulrichs Vorschlag begei­stert. Einer nach dem anderen machte jedoch einen Rückzieher, so daß schließlich nur noch Ulrich, Jupp und Hans, ein dreißigjähriger Kranführer, übrigblie­ben. Während die anderen sich nach und nach ver­drückten, nahmen die drei zum Abschluß an der The­ke noch einen Kurzen zur Brust.

Eingehakt marschierten sie los. Der Wirt hatte Jupp die Wagenschlüssel vereinbarungsgemäß nicht aus­gehändigt, obwohl er lautstark darauf bestanden hat­te. Nach zwanzig Minuten Fußmarsch erreichten sie das Haus mit der roten Laterne. Auf ihr Klingeln hin verdunkelte sich das Guckloch in der Tür, bevor ge­öffnet wurde.

„Tag Jungs!“ grunzte eine Dreizentnerfrau mit ab­grundtiefer Baßstimme. „Kommt herein, heute ist kaum Betrieb. Ihr habt freie Auswahl.“

Ulrich drückte ihr einen Zehnmarkschein in die Hand. „Ist Ulla frei?“ fragte er.

„Leider nicht! Sie hat zwei Studenten, die wollen die ganze Nacht bleiben. Aber geht doch mal rein, ihr werdet sicher was Passendes finden!“ entgegnete die Alte.

Sie betraten den Aufenthaltsraum, in dem sich ein gutes Dutzend Mädchen jeden Alters und jeder Haarfarbe auf den Sitzgelegenheiten räkelten. Gera­de verschwand ein älterer Mann mit einer über die Treppe nach oben.

Mit großem Hallo wurden die Freunde begrüßt. Sie besuchten nicht zum erstenmal das Etablissement. Gleich darauf hatte jeder ein Mädchen auf jedem Knie sitzen.

Jupp entschied sich für eine große Schlanke mit blon­der Perücke, die er noch nie hier gesehen hatte. Sie war erst vor wenigen Tagen im Austausch gegen eine andere aufgenommen worden.

Molly, eine vom Stammpersonal, die wegen ihrer un­förmigen Brust so genannt wurde, rief aus der Ecke: „Den kannst du ruhig mitnehmen, Katja! Bei dem lohnt es sich! Der Dosenöffner reicht mindestens für eine Fünfkilodose!“

In das aufbrandende Gelächter hinein meinte Katja: „Dann muß ich anstatt „Kleiner“ von jetzt an „Gro­ßer“ zu dir sagen! Laß mich doch mal fühlen!“ Im gleichen Moment befand sich ihre Hand auch schon zwischen seinen Beinen und knetete an dem halbstei­fen Riemen herum.

„Langsam! Langsam!“ bremste Jupp ihre Aktivität. „Erst müssen wir uns einig werden!“

„Möchtest du mit deinen Freunden zusammen oder allein?“ fragte sie zurück.

„Das kommt auf die Preise an!“

„Fünfzig normal, achtzig nackt und hundertzwanzig mit den anderen gemeinsam. Ein Fläschchen kostet zwanzig extra.“

Blitzschnell überschlug Jupp den Inhalt seiner Brief­tasche. „Normal!“ entschied er schließlich.

„Kein Sekt?“ fragte Katja schmollend. „Meinetwegen“, grunzte er und drückte ihr ein paar Scheine in die fordernd auf gehaltene Hand. Allmählich begann der Alkohol zu wirken, den er sich auf der Kegelbahn einverleibt hatte.

Er trübte sein Urteilsvermögen. Leicht schwankend tappte er neben Katja die Treppe hinauf und wurde in ein kleines Zimmer geführt, dessen Einrichtung aufs Haar derjenigen glich, die er schon in anderen Räu­men des Hauses angetroffen hatte.

„Ich hole nur die Getränke. Du kannst schon deine Hose ausziehen“, bat Katja und verließ ihn.

Jupp zog Schuhe, Hose und Unterhose aus und mach­te es sich auf der Liege bequem. Fast wäre er einge­schlafen. Erschrocken fuhr er hoch, als die Tür ge­räuschvoll ins Schloß fiel.

„Bleib nur liegen!“ rief Katja, und stellte das Tablett mit der Flasche und den Gläsern auf einen kleinen Tisch, den sie neben die Liege rückte.

„Ich komme zu dir!“

Sie ließ ihren Wickelrock fallen, stieg aus dem

Schlüpfer und legte sich neben ihn. „Prost!“ grinste sie, während sie ihm eins der gefüllten Sektgläser in die Hand drückte. Dabei setzte sie sich so, daß er ihre halboffene, schwarzbehaarte Fotze sehen konnte. Dann nahm sie ihm das Glas wieder weg und stellte es auf den Tisch.

„Zur Sache, Schätzchen! Ich will nicht die ganze Nacht mit dir vertrödeln!“ knurrte sie und griff nach seinem schlappen Schwanz. Als er nicht sofort steif wurde, fuhr sie fort: „Willst du nicht oder kannst du nicht?“

Ihre Frage beantwortete sich von selber, denn der Prügel begann unter ihrem Streicheln zu wachsen. Langsam glitt die dicke, blaurote Eichel aus der Vor­haut, dunkle Adern überzogen den Schaft. Katja griff in ein Kästchen auf dem Wandbord und holte einen zusammengerollten Überzieher heraus. „Laß das Ding weg!“ brummte Jupp. „Ich wasche meine Füße ja auch nicht, wenn ich die Socken noch an habe!“ „Ohne Pariser ist nichts drin!“ lehnte Katja ab. „Da­für kenne ich dich zu wenig!“

Mit geübtem Griff rollte sie ihm den Fingerling über. „Molly hat recht!“ kicherte sie. „Das ist wirklich ein Riesenapparat! Soll ich ihn ein bißchen kauen?“ Ohne Antwort abzuwarten, beugte sie sich vornüber und nahm die Eichel in den Mund, soweit es ihr mög­lich war. Mit schnellen Handbewegungen wichste sie ihn dabei. Bevor er protestieren konnte, fühlte er sein Sperma unwiderruflich aufsteigen und pulsie­rend die Harnröhre passieren. Stoßweise füllte sich die Kammer an der Spitze des Präsers mit dem weiß­lichen Zeug.

Mit einem Satz war Jupp hoch, faßt Katja am Pullo­ver und drehte ihn ihr um den Hals zusammen. „Du alte Drecksau!“ brüllte er. „Ich lasse mich von dir nicht bescheißen! Gib mir mein Geld wieder!“

Als sie keuchend zu atmen begann und ihre Augen aus den Höhlen traten, ließ er los und stieß sie auf die Liege zurück. Unbemerkt drückte sie auf einen Knopf an der Wand.

Gleich darauf knallte die Tür gegen die Wand und brutale Hände rissen ihn hoch. Mit aller Kraft setzte er sich gegen den harten Griff zur Wehr, bis eine Bombe in seinem Hinterkopf explodierte.

Ein greller Blitz zuckte vor seinen Augen auf, dann versank er in bodenlose Tiefe ...

Stöhnend schlug Jupp die Augen auf und faßte sich an den Kopf. Seine Finger ertasteten verkrustetes Blut. Irgendjemand schien in seinem Schädel eine Schmie­de eingerichtet zu haben. Schmerzhaft pochte der Pulsschlag in den Schläfen.

Erst jetzt wurde er sich der harten Unterlage und der empfindlichen Kälte an seinen Beinen bewußt. Be­hutsam richtete er sich auf und blickte sich um. Weit vom Puff entfernt. Neben ihm lag seine Hose samt Unterhose, ein Stück entfernt die Schuhe. Der Pari­ser hing immer noch gefüllt auf seinem schlappen Schwanz.

Angeekelt riß er ihn herunter und schleuderte ihn weit von sich. Langsam erinnerte er sich wieder dar­an, was am Abend vorgefallen war. Ächzend rappel­te er sich auf und stieg in seine Hose. Weit und breit war kein Mensch zu sehen.

Taumelnd machte er sich endlich auf den Heimweg. Sein Rausch war verflogen, dafür machte ihm die Beule um so mehr zu schaffen. Trotzdem gelang es ihm, sein Bett aufzusuchen, ohne daß das ganze Haus aufwachte.

Am Morgen suchte er vergeblich seinen Wagen, bis ihm einfiel, daß er noch vor Heins Kegelbahn stand. Üblicherweise ging er zwar zu Fuß zur Arbeit, aber heute wäre es ihm lieber gewesen, wenn der fahrbare Untersatz zur Verfügung gestanden hätte.

Trotz der frühen Morgenstunde trieb ihm die Kraft der Sonne schon den Schweiß auf die Stirn. Von wei­tem wedelte der Zeitungsverkäufer vor dem Werks­tor bereits mit dem zusammengefalteten Blatt. Jupp bedankte sich und drückte ihm das Geld in die Hand. Er wunderte sich immer wieder, welch fantastisches Gedächtnis der Mann haben mußte, daß er jeden sei­ner Kunden mit Namen anredete.

Den Vormittag brachte er verhältnismäßig gut hinter sich. Erst gegen Mittag spürte er wieder die Strapa­zen des vergangenen Abends. Er atmete auf, als die Klingel zur Mittagspause schrillte. Auf dem Weg zum Speisesaal traf er Ulrich.

„Wohin warst du denn gestern so plötzlich ver­schwunden?“

Jupp winkte wortlos ab. Als Ulrich seinen Gesichts­ausdruck bemerkte, drang er nicht weiter in ihn. Ge­meinsam blieben sie vor dem Speiseplan für die lau­fende Woche stehen.

„Was gibt’s denn heute?“ fragte Jupp, der von seinem Standort aus das Geschriebene nicht genau erkennen konnte.

„Gebärmutterschnitzel!“ feixte Ulrich.

So wurden im Betrieb allgemein die sogenannten fal­schen Schweineschnitzel bezeichnet, die überwie­gend aus Kuheuter bestanden und die Bilanz des Un­ternehmens aufbessern halfen.

„Pfui!“ stieß Jupp hervor und ging zu seinem Arbeits­platz zurück, ohne die Kantine zu betreten.

Gegen zwei wurde ihm besser, er schien den toten Punkt überwunden zu haben. Glücklicherweise wur­den an diesem Tag keine besonderen geistigen An­forderungen an ihn gestellt. Die Werkstücke, die an seiner Drehbank angeliefert wurden, hatte er alle schon öfters bearbeitet.

Rudi löste ihn pünktlich ab. Er registrierte zwar Jupps verquollenes, übermüdetes Gesicht, machte aber keine Bemerkung darüber.

Nach Feierabend nahm Jupp den Umweg bei Hein vorbei, um seinen Wagen abzuholen. Hein wollte ihm einen einschenken, bekam aber einen Korb. Jupp hatte noch genug vom Tag zuvor.

Nach Hause gekommen, legte er sich erstmal für zwei Stunden schlafen. Um sieben marschierte er ins Erd­geschoß. Nur seine Tante Käthe und Gisela, die Schwägerin und Cousine, waren da. Es gab belegte Brote nach Wahl. Ein paar dürftige Scheiben Wurst und Käse bedeckten die Platte. Jupp mischte sich nicht in das Gespräch zwischen Käthe und Gisela. Beiläufig bekam er mit, daß Käthes Schwester mit ih­rem Mann am Wochenende zu Besuch käme und Gisela deshalb bei ihrer Mutter schlafen sollte.

Jupp ärgerte sich, daß es nur so wenig Brotbelag zur Auswahl gab. Schließlich sprach er es offen aus. „Hast du nichts anderes für mich aufs Brot?“ „Wenn’s dir nicht paßt, kannst du ja deinen Nillen- käse draufschmieren!“ gab Gisela ihm freundlich zur Antwort.

In die folgende Stille fiel ein klatschender Schlag, mit dem die Hand der Tante die Wange ihrer Tochter traf. „Du altes Dreckschwein!“ keifte sie. „Was anderes als die Vögelei hast du nicht im Kopf!“

Darauf Gisela, deren Gesicht sich einseitig dunkelrot verfärbte: „Warum auch? Das ist sowieso das einzig Schöne auf der Welt, außer Geld natürlich!“

Jupp, der in die Auseinandersetzung nicht einbezo­gen werden wollte, stand auf und bewegte sich in Richtung Tür.

„Willst du nicht zum Fernsehen bleiben? Es kommt ein Krimi!“ rief Käthe ihm nach. Jupp besaß noch keinen Fernseher.

„Mal sehen“, gab er über die Schulter zurück und ging nach oben. Er nahm ein Buch vom Schrank, das er vor einigen Tagen zu lesen angefangen hatte und streckte sich auf dem Sofa aus. Leise Schlagermusik ertönte aus dem kleinen Transistorradio, das er beim Hereinkommen eingeschaltet hatte. Etwa eine halbe Stunde war vergangen, als er die Treppe knarren hör­te. „Gisela geht zu Bett“, dachte er.

Sie schlief im ersten Stock, in der Wohnung des Großvaters, der sich zur Kur in einem Sanatorium aufhielt. Ihr eigenes Zimmer im zweiten Stock hatte sie für Jupp und seine Frau freimachen müssen, weil im Erdgeschoß nicht genügend Platz war.

Jupp hörte unten die Tür klappen und wandte seine Aufmerksamkeit wieder dem Buch zu. Plötzlich schreckte er auf. Ein Schatten fiel über ihn. Gisela stand vor dem Sofa und sah grinsend auf ihn herab.

Noch immer zeichneten sich die Fingerspuren auf ihrer Wange ab.

„Hast du nichts zu lesen für mich, Schwager?“ fragte sie.

„Doch! Dort im Schrank findest du sicher was. Wie bist du überhaupt heraufgekommen? Ich habe dich gar nicht gehört.“

„Ich war so leise wie möglich. Die Alte braucht ja nicht alles zu wissen.“

Gisela machte keine Anstalten, zum Schrank zu ge­hen, um sich das angeblich gewünschte Buch heraus­zunehmen. Jupp starrte sie an. Der dünne Schlafan­zug verhüllte ihre prallen Formen nur unvollkom­men. Wie zufällig ließ er seinen linken Arm vom Sofa rutschen und berührte dabei einen ihrer Schenkel. Sein Annäherungsversuch hatte ungeahnte Folgen. Im nächsten Augenblick lag Gisela auf ihm und na­gelte ihn auf der Liegestatt fest. Ihre Nase wetzte zärtlich einige Male blitzschnell über die seine, ehe die hungrigen Lippen seinen Mund suchten. Verblüfft und zugleich erregt, ließ Jupp ihren Angriff über sich ergehen. Schließlich stemmte sie sich hoch und blickte ihn aus verschleierten Augen an.

„Was soll das, Gisela?“ knurrte er.

„Endlich ist Ute einmal nicht da!“ entgegnete sie rauh. „Zeig mir deinen Riesenpimmel!“

„Woher weißt du ...?“ stotterte er überrascht. 

„Mein Schwesterchen hat keine Geheimnisse vor mir. Außerdem hat sie mir mal gesagt, wenn ich Lust auf dich hätte, sollte ich meinen Gefühlen keinen Zwang antun. Es würde sie nicht stören. Ich habe die­se dürren Jungenspargel satt und möchte endlich mal einen richtigen Männerschwanz in der Fut haben!“ Jupp fand sich mit der Situation ab. Halb unbewußt knöpfte er ihre Schlafanzugjacke auf. Die vollen, schweren Brüste pendelten nackt und in Reichweite hin und her. 

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